| Marias Tanz mit der Maske | |||||||||
| Maria glaubte, im Traum über die Grenze hinüber zu tanzen, dorthin, wo es hell ist. Sie bemerkte in sich eine Wachheit wie noch nie in ihrem Leben. Jeden Schritt, jede Bewegung ihrer Finger, jeden Gedanken, ja jedes Gefühl war ihr klar bewusst, und sie dachte nur an das Jetzt, nicht an das, was war und was sein würde. Fünf Tage lang hatten sie geprobt. Orlando di Lasso, der Hofkapellmeister, hatte mit allen, die bei der großen Komödie mitspielen sollten, die letzten Feinheiten geübt. Jetzt trat Maria an den Rand des Podiums, blieb ganz still stehen und hielt sich wie eine Maske einen vergoldeten Totenschädel vor das Gesicht. Die Höflinge im großen Thronsaal der Burg Trausnitz waren entsetzt. Renata von Lothringen, die in der ersten Reihe neben ihrem Schwiegervater Herzog Albrecht V. von Bayern saß, krallte sich die Fingernägel ins Gesicht. Ihr Schrei übertönte die Musik und drang durch die geöffneten Fenster von der Burg bis nach Landshut hinunter, wo die wenigen Menschen, die am späten Abend noch auf der Straße waren, erschrocken das Kreuzeszeichen schlugen. |
![]() |
||||||||
| weiter | Geschichte | ||||||||