| Aktuell - Der Stradiviari-Skandal - Die Geschichte - Die Orte - Die Hintergründe - Leseprobe | ||||||||||||||||||||
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Der Stradivari-Skandal |
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| Sie öffnete den Schweinegatter, zog die mit Kot verdreckte Falltüre hoch. Er sah den Jungen inmitten von merkwürdigen Instrumenten: Flöten aus Weidenholz, winzige viereckige Geigen mit Schweinborsten als Saiten. | ||||||||||||||||||||
| Maria Antonia störte es, dass ihr Mann der Violine denselben Namen gegeben hatte, den sie trug. Der Fremde wussten nicht, ob er von seiner Frau oder seiner Violine sprach. Sie war sich schmerzlich bewusst, dass sie zwar schön war, aber ihr der Klang fehlte. | ||||||||||||||||||||
| Obwohl sich Marias Kopf dagegen wehrte, fühlte sich ihr Leib bei Gasparos Zärtlichkeiten wohl. Denn es war ganz anders als mit Antonio. Es war ein verbotenes Abenteuer. Dagegen war Antonios Liebe vorausbrechenbar wie eine mathematische Formel. | ||||||||||||||||||||
| Es war eine lebenslange Suche. Obwohl er schon über 60 Jahre alt war, fühlte er sich erst am Anfang. | Er hielt deshalb Stradivari für den ausgeglichensten Menschen, den er kannte. Es war, als ob er sich selbst berechnen könnte. Hatte er keine Gefühle oder Leidenschaften? Wie konnte ein Mann, der so wenig Gefühl zeigte, eine so junge Frau an sich binden? | |||||||||||||||||||
| Er musste zugeben, dass das Instrument einen perfekten Klang hatte. "Das ist Maria Antonia," dachte er für einen Moment. Doch schon im nächsten Augenblick störten ihn einige Nuancen. Er zweifelte an sich und überlegte: "Ist es mit meinem Gedächtnis schon so schlecht bestellt, dass ich mich nicht mehr an mein bestes Instrument erinnere? | ||||||||||||||||||||
| Er brauchte diese Schmerzen, dachte: "Es tut weh, also bin ich." | ||||||||||||||||||||
| Er lebte in seinen Violinen und sie in ihren nächtlichen Sehnsüchten. | ||||||||||||||||||||
| Ihr Ton war leicht und klar, nicht süßlich. Wie hatte er darauf geachtet, dass er nicht zu weich war, damit man ihr nicht vorwerfen könnte, sie würde süßlich wie ein Jude und weich wie ein Weib spielen! | ||||||||||||||||||||
| "Du denkst oft jahrelang, dass die Zeit still steht. Doch plötzlich ändert sich das Leben so schnell, dass du zu träumen glaubst und nicht weißt, ob du dich freuen oder fürchten sollst." | ||||||||||||||||||||
| "Eine moderne Geige müssen sie beherrschen, eine Stradivari dagegen lieben." | ||||||||||||||||||||
| "Eine Geige merkt sich, wie sie gespielt wurde, und wenn sie zu lange schlecht gespielt wurde, kann man es ihr nicht mehr abgewöhnen. Das mussten wir verhindern. Sie als Geigenfachmann werden das verstehen." | ||||||||||||||||||||
| "Seitdem ich nicht mehr sehe, höre ich viel besser. Über die Farbe der Stimme, die Tonhöhe, die Lautstärke kann ich mir Gesichtszüge, Gefühle und Gedanken vorstellen. Du denkst gar nicht, was es alles zu hören gibt." | ||||||||||||||||||||
| Ich überlege, dass Geigen eine Entblösung, eine Art Seelenstreptease ist. | ||||||||||||||||||||
| Er hätte sich heute vergessen. Doch es würde ihm auch schon genügen, wenn ich ihm in diesem Kleid vorspielen würde. Dadurch würden sich Musik und Erotik zu einer außergewöhnlichen Intensität steigern. Für ihn wäre Musik schon immer das Erotischste gewesen. Er hätte als Achtzehnjähriger bei Wagners Tristan und Isolde seinen ersten Orgasmus gehabt und bei mir wäre diese Kombination von Sinnlichkeit des Violintons und Schönheit des Körpers unvergleichlich. | ||||||||||||||||||||
| Wenn ich heute mein Leben vorbei ziehen lasse, muss ich gestehen, dass das Streichquartettspiel mit den vier Instrumenten von Antonio Stradivari zu den glücklichsten Stunden gehört hatte. Der Klang hatte uns zur Einheit verschmolzen: wir hatten miteinander geatmet und gesungen, gemeinsam gefühlt und gedacht, so unterschiedlich wir auch gewesen waren. | ||||||||||||||||||||