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Orlando di Lasso
Textprobe - Presse
Orlando di Lasso.
Ein Leben in der Renaissance. Musik zwischen Mittelalter und Neuzeit
Pressespiegel

Klaus-Karl Hübler, Bayerischer Rundfunk B 2, 3. November 1983

Eine im guten Sinne populäre Darstellung fehlte, und insofern ist Franzpeter Messmers in der Edition Wissenschaft und Literatur erschienenes Buch "Orlando di Lasso - Musik zwischen Mittelalter und Neuzeit" ein begrüßenswerter Versuch auf noch wenig bestelltem Terrain. Die Biographie ist bewußt erzählend konzipiert, ohne der großen Gefahr dieser Darstellungsweise zu erliegen, dem Fabulieren. Messmer hält sich an die Fakten, zitiert ausgiebig die Quellen und verhehlt auch nicht, wo Schwierigkeiten für den Schreiber wie den Lesenden sich aus der historischen Ferne des Gegenstandes ergeben.

Lassos Lebensbeschreibung ist in mancher Hinsicht zu etwas anderem als einer herkömmlichen Musikerbiographie geworden. Dies ist teilweise in der Quellenlage begründet: Trotz ihrer für das 16. Jahrhundert großen Fülle ist sie fragmentarisch. Wir sind in die Rolle eines Archäologen versetzt, der einzelne Scherben zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen versucht.

Messmer begnügt sich erfreulicherweise nicht mit einer reinen Beschreibung der Lebensumstände des Komponisten, sondern führt auch an zahlreichen Beispielen die technischen und stilistischen Charakteristika von Lassos Tonsprache vor.

Hans Göhl, Münchner Merkur, Dezember 1982

Dieses Leben in der Renaissance wird mit Hilfe eines respektgebietenden und das Interesse mehr und mehr beschäftigenden Aufwands geschildert. Sehr geschickt verwebt Messmer Zeitbild und individuelles Schicksal, Literarisches, Kunsthistorisches, Soziologisches. Querverbindungen zu außereuropäischen Kulturen werden hergestellt, wobei Messmer allerdings ein bißchen oberflächlich verfährt. Aber insgesamt versteht er sich aufs Saloppe, ohne dabei unseriös zu werden.
Lasso also mit allem Drumherum. Das ergibt ein anschauliches Panorama, in dem ein Porträt seines Brotgebers Albrecht V., eine kurze Geschichte der Münchner Hofkapelle oder eine Darstellung der Stadt im 16. Jahrhundert nicht fehlen. Und selbstverständlich holt Messmer sich aus der vorbildlichen Briefausgabe Horst Leuchtmanns eindrucksvolle Zitate. Zur Ausstattung gehören neben zahlreichen Abbildungen ein kleines Lexikon Alter Musik, eine Zeittafel, ein Werkverzeichnis und das beigelegte Heft mit Notenbeispielen.
Fachlich und zugleich populär - dieser höchst schwierige Balanceakt ist Messmer gelungen. Nun haben wir Zugang zum ebenso berühmten wie unbekannten Orlando di Lasso.